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Lässt das Bundesheer nur Gerümpel zurück, Herr Bauer?

Politik | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Von Kochtöpfen bis zu Fernsehern: Das österreichische Bundesheer ließ bei seinem Abzug vom Golan einen Teil der Ausrüstung zurück, der Gesamtwert beträgt etwa 166.000 Euro. Der Nationalrat musste dies am Montag per Gesetz absegnen. Wieso so viel Bürokratie notwendig war, erklärt Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Herr Bauer, warum braucht es ein eigenes Gesetz, wenn das Bundesheer einen Teil der Ausrüstung zurücklässt?

Wenn öffentliche Dienststellen jemandem etwas unentgeltlich geben, ist das rechtlich eine Schenkung. Eine Schenkung unter 400 Euro darf nur das Finanzministerium machen. Für alles darüber braucht es ein eigenes Bundesgesetz, damit nicht das Eigentum des Steuerzahlers entwendet wird.

Also damit Sie mir nicht einfach so einen Panzer schenken können?

Genau. Wobei man sagen muss, dass wir den Großteil unserer Ausrüstung heimbrachten, darunter Fahrzeuge, Nachtsichtgeräte, Waffen, Munition - alles, was militärisch verwendbar ist.

Und was blieb dort?

Die fix eingebaute Großküche, die hätten wir in Österreich gar nicht mehr gebraucht. Sie dürfen nicht vergessen: Das Bundesheer war seit 1974 auf dem Golan, die Küche entspricht nicht mehr dem neuesten Stand. Auch eine Sanitätsstation blieb zurück, ebenso Werkzeug, Waschmaschinen, Fernseher.

Hört sich nach ziemlichem Gerümpel an.

Das ist kein Gerümpel. Aber es wäre ein Wahnsinn gewesen, diese Küche mitzunehmen. Dann hätten die Vereinten Nationen, die weiter dort sind, eine neue Küche einbauen müssen

Freuen sich die Vereinten Nationen über diese Küche, oder sind die verärgert, dass Österreich abgezogen ist?

Die freuen sich über unsere Küche. Mit ihr haben wir die Soldaten jahrzehntelang ausgezeichnet verköstigt. Auf dem Golan weht nun weiterhin der Geist der österreichischen Küche.

Interview: Ingrid Brodnig


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