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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Noch weit hinter Budapest

Bei vielen Reiseführern oder etwa TV-Dokus könnte man meinen, die Donau endet irgendwo bei Budapest. Denn flussabwärts von jenem Ort, wo die meisten Boots- und Radtouren aufhören, werden auch die Informationen oft lückenhaft.

Nicht so bei Duygu Özkan und Jutta Sommerbauer, zwei Presse-Redakteurinnen. Sie haben 2860 Flusskilometer bereist, gleichwertig, vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Herausgekommen ist eine faszinierende Reportagensammlung mit vielen Entdeckungen, die einen ahnen lässt, wie wichtig der Fluss für die Beförderung von Waren und Ideen in Europa seit jeher war. Man liest zum Beispiel von einem slowakischen Schwimmer, der die gesamte Donau durchmaß. Oder von jenen ganzen 460 Metern Donauufer, die zur Republik Moldau gehören und dort für einen Hafen genutzt werden. Oder von ukrainischen Altgläubigen, die sich im Schilf des Deltas zum Gebet treffen. Äußerst lesenswert!

Joseph Gepp

Duygu Özkan, Jutta Sommerbauer: Donau. Vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Picus, 132 S., € 14,90

Vergessene Tragödien

Der Historiker Stefan Karner hat sich auf die Aufarbeitung von Geheimdienstakten spezialisert und damit wertvolle Beiträge zur Geschichtsschreibung des Kalten Krieges geliefert. In diesem Buch, Sukkus eines breit angelegten Forschungsprojekts, rekonstruiert er minutiös anhand der Österreich-Akten des tschechoslowakischen Geheimdienstes das Schicksal von Agentenkurieren und Menschenschleppern, eines Doppelagenten und von ermordeten Flüchtlingen. Karner legt dieses Buch bewusst "populärwissenschaftlich“ an, mit Bildern und vielen Erklärungen. Das macht es anschaulich. Aber die Art und Weise, wie angloamerikanische Historiker Geschichte erzählen können, die sucht in Österreich noch einen würdigen Vertreter. barbara tóth

Stefan Karner: Halt! Tragödien am Eisernen Vorhang. Die Verschlussakte. Ecowin, 240 S., € 21,90


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