Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Blade der Welt der Woche

Baby, Let Your Wanst Hang Out!

Feuilleton | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Man kann es auch mit Schauspielen versuchen, das ist viel leichter, wie Laurence Olivier beim Dreh von "Marathon Man“ gegenüber dem jungen Dustin Hoffman sarkastisch anmerkte. Aber das ist natürlich feig. Sich alt oder hässlich schminken lassen kann bald wer, ein echter Method-Actor bevorzugt ehrlichen Einsatz mit dem eigenen Körper.

Eine erste historische Höchstleistung in dieser Hinsicht hat Robert De Niro erbracht, als er für Martin Scorseses Boxerdrama "Raging Bull“ (1980) zunächst gut durchtrainiert in den Ring stieg und sich dann während der Dreharbeiten eine ordentliche Wampe anfraß, um den abgehalfterten Jake LaMotta authentisch aufgedunsen zu verkörpern.

Zuletzt war allerdings eher das Gegenteil im Schwange: Michael Fassbender hungerte sich aus naheliegenden Gründen für "Hunger“ (2008) viele Kilos vom nicht eben feisten Leib, und Matthew McConaughey tat es ihm gleich, um in "Dallas Buyers Club“ als aidskranker Elektriker glaubhaft rüberzukommen - wofür er prompt für einen Oscar nominiert wurde. In der Kategorie "Bester Hauptdarsteller“ tritt er nun gegen Christian Bale an. Der hatte als hohlwangiger, cracksüchtiger Boxer in "The Fighter“ (2010) schon einen Oscar eingefahren, sich jetzt aber für die Seventies-Gaunerkomödie "American Hustle“ silhouettentechnisch verändert und ordentlich Hüftgold draufgepackt.

Schon lange hat niemand so grandios und selbstbewusst seinen entblößten Wanst in die Kamera gehängt oder in unpackbar scheußliche Gilets gestopft. Und die Frauen? Stehen drauf! Die wunderbare, völlig zu Recht ebenfalls oscarnominierte Amy Adams kompensiert das Übergewicht ihres Filmpartners, indem sie so viel Textil wie möglich weglässt. Nicht alles war falsch an den 1970ern!

KLAUS NÜCHTERN


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