DEN NEOLIBERALISMUS LINKS ÜBERHOLEN


Radarpistole: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Während sich eine schlaffe Kapitalismuskritik auf Slow Food und Verkehrsberuhigung kapriziert, will eine neue linke Strömung aufs Gas steigen

Der Arbeitstakt kennt kein Pardon. Piepstöne kündigen eingehende E-Mails und aktuelle Termine an. Die Büroarbeit dehnt sich online weit ins Wochenende aus, das ohnehin mit Fitnesstraining, Familie und Freunden verplant ist.

Wer nicht überholt werden will, hetzt von Deadline zu Deadline - und stößt irgendwann einen Seufzer aus: Geht es nicht etwas langsamer?!

Die Geschwindigkeit des zeitgenössischen Lebens wird von Medizinern, Soziologen und Psychologen als Ursache vieler Leiden identifiziert, eine informationstechnologisch hochbeschleunigte Umwelt gilt als Paradigma totaler Entfremdung: Das Individuum droht unter einem stetig wachsenden Termin- und Flexibilitätsdruck aus der Bahn geworfen zu werden. Das vielzitierte "Burnout“ ist ein Hilfsbegriff für das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.

Ein Manifest geht um in Europa

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