Frau Schirach hat voll nachgedacht und schnell noch dieses Buch gemacht

Feuilleton | Durchgeblättert: Klaus Nüchtern | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Was man mit Begriffen wie "Fortschritt“ und "Moderne“ bezeichnet, wird auch von einem permanenten Gefühl des Überfordertseins und einem eigenen Erschöpfungsdiskurs begleitet, der - bei allen historischen Varianten - ein konstantes Mantra hervorbringt: Alles geht zu schnell, alles ist zu viel. Und obgleich sie sich gerne minoritär und partisanenhaft gibt, ist die Fortschrittsskepsis mittlerweile längst im Mainstream angekommen: Mit Entschleunigungsparolen zwischen Slowfood, Spa und Sabbatical kann man smalltalkmäßig nicht einmal beim Betriebsfasching der Hamsterradhersteller was falsch machen.

Und jedes Jahr kommen ein paar weitere Festmeter Besinnungsliteratur heraus, deren Verfasser notwendig einem performativen Selbstwiderspruch erliegen: Denn anstatt sich tatsächlich "auszuklinken“ und ein Kunstgeschichtestudium zu beginnen oder das Klarinettenspiel zu erlernen, haben sie die Kürzertreterliteratur um ein weiteres Exemplar bereichert und müssen nun auf Lesereise gehen,


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