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Vater, Mutter, Kind

Feuilleton | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Die Mutter Gottes ist auch nicht die, für die wir sie gehalten haben. In "Marias Testament“ wirft sie, Jahre nach dem Tod ihres berühmten Sohnes, noch einmal einen Blick auf die Passionsgeschichte, die als Heilsgeschichte zu betrachten sie sich hartnäckig weigert: "Wenn ihr Zeugen braucht, dann bin ich eine Zeugin, und wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war.“

Der schmale Roman des Iren Colm Tóibín verzichtet auf jegliches historisierende Idiom, macht aber auch einen weiten Bogen um alle Ironie- und Parodieofferte, die das Sujet hergäbe. Er ist ein sprödes, mitunter fast essayistisch anmutendes Werk, dessen Ich-Erzählerin und Protagonistin nicht wirklich fassbar wird. Erzählt wird die Geschichte einer verletzten Mutter, die mit fremdem Blick auf ihren Sohn, den Extremisten, blickt und sich weigert, die offizielle Version von dessen Entourage zu bestätigen. John Ford hätte einen Western draus gemacht. KN

Colm Tóibín: Marias Testament.

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