Gott vergibt, der gottesfürchtige Meister Anton nie

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Aus einem Totenhaus: Michael Thalheimer inszeniert Hebbels bürgerliches Trauerspiel "Maria Magdalena“ im Burgtheater

Unter den bürgerlichen Trauerspielen ist Friedrich Hebbels "Maria Magdalena“ (1843) schon deshalb das radikalste, weil sich dieses Drama nicht zwischen den Ständen abspielt. Anders als in "Kabale und Liebe“ braucht’s hier keinen adeligen Ferdinand, um die bürgerliche Welt aus den Angeln zu heben. Das schaffen die Bürger bei Hebbel ganz alleine.

Beim Tischlermeister Anton herrscht ein so strenger Kodex, dass den Menschen kaum Platz zum Leben bleibt. Am Ende werden fast alle tot sein. Und Meister Anton wird seine famous last words sprechen: "Ich verstehe die Welt nicht mehr!“

In Michael Thalheimers Inszenierung besteht von Anfang an kein Zweifel daran, dass das nicht gut ausgehen wird: Diese Bürgerstube ist ein Totenhaus. Bühnenbildner Olaf Altmann hat einen wuchtigen Rahmen auf die Bühne des Burgtheaters gestellt; in der Mitte hängt eine schwarze Box. Sie macht


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