Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Freie Fahrt für Rambo!

steiermark | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Es gibt intellektuelle Stimmen, die eine neue Tierethik fordern. Eine, die sich nicht nur in der Feststellung erschöpft, dass der Verzehr von Fleisch moralisch und ökologisch bedenklich ist. So sind manche Wissenschaftler der Ansicht, Tiere haben eine Personalität und seien in unserer Gemeinschaft ernster zu nehmen, vielleicht wären ihnen gar Staatsbürgerrechte einzuräumen. Und dann eben nicht nur zu fragen: Was darf man euch Tierchen nicht antun? Sondern: Wie geht es euch, was braucht ihr?

Folgendes ereignete sich letzte Woche in Graz: Ein Mischlingshund döst seelenruhig unter dem Straßenbahnsitz seines Frauerls. Eine Kontrollorin stellt einen Strafzettel über 65 Euro aus, weil Frauerl für "Rambo“ keinen Fahrschein gelöst hatte. Wäre "Rambo“ ein handlicher Spitz gewesen und auf dem Schoß von Frauerl gesessen, die Kontrollorin hätte das freundlich abgenickt; nur Rambo schien ihr mittelgroß zu sein. Das geht halt nicht.

In den Beförderungsbestimmungen des Verkehrsbundes Steiermark heißt es unter Punkt 6.8.1.: "Kleine, ungefährliche und in geeigneten Behältnissen untergebrachte lebende Tiere werden gratis mitbefördert.“ Das wirft moralphilosophische Fragen auf. Abgesehen davon, dass Tierhalter bestärkt werden, ihre Lieblinge in "Behältnisse“ zu quetschen, so fragt man sich doch, wie "ungefährlich“ zu definieren sei. Und einer Ausweitung der traditionellen Tierrechtsethik das Wort redend: Wenn Zwergpinscher & Co als Mitbürger gelten, gehören sie für voll genommen. Da stünde es doch an, ein Ticket zu lösen. Um derlei Diskussionen abzuwenden: Den Tieren ist genug Leid widerfahren. Wir sollten sie allesamt, ob groß oder klein, gratis fahren lassen! F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige