Tiere

Spasstiker

Falters Zoo | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Nicht nur Tierarten können aussterben, auch manche Berufsgruppen sind bedroht. Deanna Hartmier, Präsidentin der World Clown Association, sieht die Schuld bei der heutigen Jugend, die "heutzutage alles andere im Sinn als Clownereien“ hätte und vor allem "akademische Karrieren anstreben“ würde. Nein, das war nicht als Witz gemeint. Die oberste Clownin beklagte weiters, dass "der Nachwuchs nicht lange genug bei seinen Clownereien bleibe, um professionelles Niveau zu erreichen“. Dabei würde man doch meinen, dass es selbst auf Top-Level genug Komiker gäbe, aufgrund deren tölpelhaftem Verhalten und vorgeführtem Scheitern uns oft das Lachen im Hals stecken bleibt.

Der Kulturwissenschaftler Constantin von Barloewen versteht in seinem Buch "Phänomenologie des Stolperns“ Clowns als Repräsentanten einer Kultur, die durch grelles Äußeres und überhöhte Gebärden gesellschaftliche Grenzen überschreiten und damit Realität erst erfahrbar machen. Hmmm. Das klingt mehr nach Kritischer Theorie von Adorno und Horkheimer und ist nicht lustig.

Wer will denn bitte noch ein Clown sein? Vielleicht ein böser Clown wie der Joker als Gegenspieler Batmans, okay. Weltherrschaft liegt durchaus im Trend und ist sicher lukrativer als Auftritte bei Kinderpartys.

Kein Wunder, dass die krankhafte Angst vor Clowns mittlerweile eine anerkannte psychische Erkrankung ist, die als Coulrophobie bezeichnet wird.

Bevor man mit schriller Schminke und ungelenken Bewegungen in zu großen Schuhen vor Publikum herumkaspert, bewirbt man sich doch noch eher bei einer Castingshow. Ähnliche Tätigkeiten, aber mehr Anerkennung.

Die Funktion von Clowns übernehmen heutzutage Tiere. Manche, wie der Clownfisch, heißen nicht nur so, sondern sind mit ihrem grell-bunten Äußeren die Nonkonformisten in der graugrünen Welt der Schuppenträger. Die Tölpel, eine Familie von Seevögeln aus der Ordnung der Ruderfüßer, belustigen uns mit ihrem unbeholfen wirkenden Gang und in zahllosen Videoclips auf Youtube zeigen uns Tiere durch ihr scheinbar unbeholfenes und übermotiviertes Verhalten unsere eigenen, oft lachhaften Bemühungen, aufrecht das Leben zu meistern, wie in einem Zerrspiegel.

Wer dennoch den Beruf des Clowns erlernen will, der findet vom 25. bis 29. März bei der "World Clown Convention“ in Northbrook, Illinois sicher viele Gleichgeschminkte. F

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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