Und was hast du geschrieben?

Das Lesefest "Neue Texte" ist wohl das größte seiner Art. Es treten mehr als 40 Autoren an zwei Tagen auf

Steiermark | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 09/14 vom 26.02.2014

Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie ungut das Lesefest "Neue Texte" das Budget des Kulturzentrums bei den Minoriten belasten würde, wären die auftretenden Autoren nicht so entgegenkommend, für ein "symbolisch zu nennendes Honorar" aus ihren Werken zu lesen. Über 40 Autoren, die in der Steiermark geboren sind, noch immer hier leben oder irgendwann die Flucht antraten, im letzen Jahr ein Buch veröffentlicht haben oder sich über die Uraufführung eines ihrer Stücke freuen durften, werden an zwei Tagen jeweils acht Minuten lesen. Das ist für die Literaten ein Kinderspiel, für die Besucher sicher auch eine Herausforderung.

Es tauchten in den letzen Jahren so einige Bezeichnungen für dieses Großunternehmung auf. Das noble "Literatur-Gala" etwa, das neoliberale "Leistungsschau" oder das eher garstige "LiteratInnen-Auftrieb". Aber "Lesefest", so die Veranstalterinnen Birgit Pölzl und Elisabeth Wimmer, treffe es einfach am besten.

Namen gelten ja gemeinhin als Schall und Rauch, man kommt allerdings nicht umhin, hier doch einige zu nennen: Olga Flor, Gerhild Steinbuch, Andreas Unterweger, Christoph Dolgan, Wolfgang Pollanz, Mike Makart, Clemens Setz, Cordula Simon, Alfred Kolleritsch, Egon Christian Leitner oder Andrea Stift. Man bemerkt, hier wurde nicht bloß Leute eingefangen, die in der Lage sind, eine Tastatur zu bedienen. Nein, es handelt sich durch die Bank um satisfaktionsfähige Literatinnen und Literaten. Eine Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stimmt indes ein wenig nachdenklich: Kriminalroman-Autoren sind nicht leseberechtigt. Das wird damit begründet, dass die Zahl der Publikationen überhaupt ständig steigt. Dass Kriminalromane mehrheitlich vielleicht literarische Ansprüche nicht erfüllen, wurde zwar nicht ins Treffen geführt, der Spannung verpflichtete Autoren könnten sich ja jetzt dennoch angespornt fühlen.

Ablaufen wird die Sache folgendermaßen: Die Autoren treten im Duo an. Der eine stellt den anderen mit einer kleinen Einführung ("eher poetisch als literaturtheoretisch") vor, dann wird gelesen. Nach einer Handvoll Paarungen darf das Publikum 15 Minuten durchatmen und sich am Buffet laben.

Das Lesefest feierte voriges Jahr sein zehnjähriges Jubiläum, ein größeres Literaturfestival wird man in Österreich kaum finden. Damit darf "Neue Texte" ohnehin schon als recht speziell gelten, auf special guests wurde dennoch nicht verzichtet: Es sind dies die derzeitige Grazer Stadtschreiberin Ivana Sajko und jene Autoren, die 2013 mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wurden.

Kulturzentrum b. d. Minoriten, Sa, So, ab 14.00


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