Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Es wäre einer dieser mittlerweile leider raren Tage gewesen, an denen der Theater- und der Literaturredakteur gemeinsam zum Wirten hätten gehen können. Der Theaterredakteur hätte sich diesen Abend beim Wirten auch redlich verdient, weil er ohnedies schon seit Wochen mit den schwer durchschaubaren, weil auch mit verlässlichen Informationen nur unzureichend unterfütterten Vorgängen rund um die Finanzgebarung des Burgtheaters beschäftigt gewesen war. Bis dann circa zwei Stunden bevor Wolfgang Kralicek den Lohn für all die Mühsal hätte einstreifen und mit mir gemeinsam zum Wirten gehen können, der forensische Prüfbericht in der "Causa Stantejsky“ online gestellt wurde und Kralicek noch schnell einmal 90 Seiten zu lesen und in seine Aufmachergeschichte einzuarbeiten hatte (siehe S. 28).

Wird etwas online gestellt, haben theoretisch alle, die sich dafür interessieren, die gleichen Chancen, die gebotenen Informationen zu sichten und zu kommentieren. Online stellen kann man Daten, aber keine Menschen. Den Zugang zu Menschen, die auf viel Interesse stoßen, muss man daher extrem selektieren. Das passiert auf Filmfestivals je nach Bedeutsamkeit der entsprechenden Medien: Die wichtigen kriegen die Schauspieler, die nicht ganz so wichtigen "bloß“ die Regisseure. Die wichtigen können also mit Bill Murray über dessen Zweieinhalb-Minuten-Auftritt in "Grand Budapest Hotel“ und seinen Schnurrbackenbart reden, Julia Pühringer muss mit Wes Anderson über den Film reden. Manchmal ist die Welt auf subtile Weise gerecht.

KLAUS NÜCHTERN


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