Kommentar Nach der Oscar-Nacht

Besser hungern als fressen, besser weinen als lachen

Falter & Meinung | Michael Omasta | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Wer’s schon einmal probiert hat, wird bestätigen: Es ist leichter, 20 Kilo zuzunehmen, als sich 20 Kilo herunterzuhungern. Zu dieser Einsicht kam auch die 6000-köpfige Jury der amerikanischen Filmakademie und krönte folgerichtig den abgemagerten Matthew McConaughey und nicht den wamperten Christian Bale mit dem Oscar als besten männlichen Hauptdarsteller.

Betrachtet man die zwei dazugehörigen Filme, bestätigt diese Entscheidung die alte Hollywoodregel: Drama ist alles, Komödie zählt nichts. Schwer zu sagen, was daran ärgerlicher ist: dass mit "American Hustle“ der unterhaltsamste Film der vergangenen Saison vollkommen leer ausging oder dass mit den Stars aus "Dallas Buyers Club“ (Jared Leto obsiegte als Nebendarsteller) ein stockkonservativer Problemfilm ausgezeichnet wurde.

Quasi historisches Sendungsbewusstsein bewies auch die Kür des besten Films. Mit dem historischen Drama "12 Years a Slave“ wurde erstmals das Werk eines schwarzen Filmemachers in dieser wichtigsten Kategorie mit dem Oscar bedacht. Da kann man, mit dem anderen Steve McQueen gesprochen, bloß in den Jubel einstimmen: gesprengte Ketten!

Doch vielleicht liegt selbst dieser Oscar, wie auch jener für Lupita Nyong’o, die als Sklavin Patsey im Film fast zu Tode gepeitscht wird, in Wahrheit ganz auf Linie. So fühlte sich der US-Filmkritiker Armond White an Torture-Porn-Filme à la "Hostel“ erinnert und attestierte McQueens Meisterwerk "billige Abscheu, einfaches Mitleid“. Natürlich kann man das krass überzogen finden - genau wie den Rausschmiss Whites aus dem New Yorker Kritikerverband oder den alljährlichen Rummel rund um die Verleihung der Oscars. F


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