Am Apparat Telefonkolumne

Herr Ehrenhauser, sind Sie jetzt ein Kommunist?

Politik | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Der fraktionsfreie EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser tritt als Spitzenkandidat für das Bündnis "Europa anders“ zur EU-Wahl an, es handelt es sich um einen Zusammenschluss aus KPÖ, Piraten und dem Wandel. Aber hat es ernsthafte Chancen?

Herr Ehrenhauser, wieso treten Sie denn für das Wahlbündnis Europa anders an?

Weil Europa anders glaubwürdig eine faire Verteilung von Chancen, Vermögen und Information fordert.

Welche Politik vertreten Sie konkret?

Zum Beispiel treten wir für eine Demokratisierung der europäischen Entscheidungsprozesse ein, auch möchten wir den Menschen, die vor Lampedusa ertrinken, die Hand reichen und die Grenzmauern abreißen.

Klingt sehr links. Wollen Sie sich im EU-Parlament der linken Fraktion anschließen?

Es ist fix, dass wir den linken Spitzenkandidaten Alexis Tsipras unterstützen und dass Tsipras uns unterstützt. Da ist es logisch, in welche Fraktion wir eintreten werden. Aber den Beschluss fällen wir erst nach der Wahl, gemeinsam mit den europäischen Piraten.

Zuletzt hat die KPÖ bei der EU-Wahl nur 19.000 Stimmen erreicht. Haben Sie überhaupt Chancen auf einen Einzug?

Wir schaffen es sicher. Bei den Nationalratswahlen haben alle drei Parteien insgesamt 90.000 Stimmen gehabt, da fehlt nicht mehr viel, wir brauchen 150.000 Stimmen für den Einzug.

Sie sind ursprünglich mit der Liste Martin ins EU-Parlament gekommen. Waren Sie insgeheim immer ein Kommunist?

Wenn man sich ansieht, was links oder rechts bedeutet, bin ich eindeutig links. Als Spitzenkandidat spreche ich aber für keine Partei, sondern für das gesamte Bündnis.

Also sind Sie kein Kommunist?

Noch einmal: Ich bin parteifrei, ich vertrete das gemeinsame Programm, und darin steht nichts davon, dass wir ein kommunistisches Europa fordern.

Interview: Ingrid Brodnig


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