Mediaforschung Verführungskolumne

Dem Schweinderl geht’s gut! Den armen Schweinen weniger

Medien | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Die Biomarke "Ja! Natürlich“ des Rewe-Konzerns ist 20 Jahre alt, die Geburtstagsfeier wird im Fernsehen rauf- und runterzelebriert: Die Wiese ist saftig grün, die Sonne scheint, der Bauer lacht, die Sau ruft "Spitzts eure Schweinsohren!“ und die TV-Zuseher lächeln der heilen Welt glückselig entgegen.

Seit 2005 spielt das sprechende Ferkel die Hauptrolle in der Markenwerbung des Bio-Labels, es hat sich unter der Regie von Stefan Ruzowitzky zu einer der beliebtesten Werbefiguren entwickelt. Die Inszenierung des Oscar-Preisträgers Ruzowitzky: Ein freches Schweinderl lässt sich vom feschen Bauern erklären, wie schön die Bio-Welt ist.

Laut Rewe leben manche "Ja! Natürlich“-Schweine bis zur Schlachtung tatsächlich glücklich. Etwa ein Viertel wird am Freiland gemästet, je nach Gelände tollen die Schweine auf mehr als 700 Quadratmeter Fläche herum. Für drei von vier "Ja! Natürlich“-Schweinen gelten allerdings andere Regeln: Bis zu 110 Kilogramm schwere Tiere haben 1,3 Quadratmeter Platz. Zum Vergleich: Ein Tischtennistisch hat 4,2 Quadratmeter.

Die gewöhnliche Bio-Sau kennt also die saftige Wiese unter der Sonne nicht, aber sie hat immerhin noch doppelt so viel Raum wie Schweine in Nicht-Bio-Massentierhaltung (0,7 Quadratmeter). Alle Ferkel, die das TV-"Schweinderl“ spielten, dürfen übrigens ihren Lebensabend auf Vorzeige-Biobauernhöfen verbringen. Wäre den glückseligen Zusehern ja auch nicht zuzumuten, wenn es der süßen Sau an den Kragen ginge.

Benedikt Narodoslawsky


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige