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Pressekolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

In der Schweiz, wo Berg und Käse Löcher haben, ist der Mensch überdurchschnittlich reich und der Journalismus überdurchschnittlich gut. Ein wahres Kleinod für Freunde der schönen Schreibe heißt Reportagen, ein feines, in Leinen gebundenes Büchlein, dessen Farbe mit jeder Ausgabe wechselt.

Im März ist der Einband grasgrün, und drinnen ist eine Geschichte über die Methoden eines Lobbyisten, der die Umwelt zerstören will. "So ein Fiesling“, denkt man sich beim Lesen. Und: "Vielleicht ist das die beste Geschichte des Jahres.“ Die Reportage ist so super, dass man sie inbrünstig bewirbt. Man müsse diesen Superjournalismus fördern und die Geschichte gleich online kaufen, fordert man. Nur vier Franken. Jeden Rappen wert!

Man freut sich über die gute Tat. Bis sich der Erste meldet. Die Geschichte gab’s schon. 2012, in der Zeit. Nachzulesen online um null Franken.

Oje, denkt man sich. Diese Schweizer. Kein Wunder, dass sie überdurchschnittlich reich sind. F


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