Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Die Montessorisierung von "Germany’s Next Top Model“ (Pro7) schreitet voran. Als das Modelcasting im Jahr 2006 zum ersten Mal gezeigt wurde, war es noch ein Bollwerk gegen die um sich greifende Kuschelpädagogik. Mädchen mussten in kaltem Wasser posen oder sich von Hauswänden abseilen. Verfehlungen wie Schokoladeessen oder lautes Jammern wurden unerbittlich geahndet, die Juryvorsitzende Heidi Klum griff hart durch. So bekam das jugendliche Publikum ein Gefühl für die Brutalität des fortgeschrittenen Medienkapitalismus.

Seit einigen Staffeln wird die schwarze Pädagogik von "GNTM“ immer schlaffer. Die Models führen sich auf wie auf einer Party von Fashion-TV. Von Überwachen und Strafen, den Grundpfeilern des ursprünglichen Schönheitsregimes, kann keine Rede mehr sein. Und sogar das strikte Fastengebot, die oberste Ordensregel der Mode-Novizinnen, wird aufgeweicht. Äbtissin Heidi wurde beim Döneressen gefilmt! O tempora, o mores!! F


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