Buch der Stunde

Hinter jedem Service steckt das Christentum

Feuilleton | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Was genau bedeutet es im Abendland, ein Amt zu haben? Ist das ein Sein, ein Tun, ein Haben oder eher ein Inne-Haben und damit von allem etwas? Und wie verhalten sich im Amt Tugend, Pflicht und Dienst zueinander?

Um die Beantwortung dieser Fragen geht es in Band II.5 von Giorgio Agambens 1995 begonnenem und noch immer nicht abgeschlossenenem Großprojekt "Homo Sacer“. "Opus Dei. Die Archäologie des Amts“, die jüngste Lieferung, ist keine leichte, aber eine fesselnde Lektüre. Schließlich geht es um uns Diensttuer, Amtsinhaber und um die uns kaum bewusste religiöse Hinterwelt unseres Tuns. Jede Dienstleistung, jeder "Service“ führt, wie der 1942 in Rom geborene Philosoph zeigt, ontologisch zurück in die christliche Liturgie.

Wer vom Office spricht, spricht unweigerlich auch vom officium. Bevor das frühe Christentum dieses zum "Paradigma des priesterlichen Tuns“ kürte, hatte es schon Cicero als politische leitourgia oder Liturgie, als, wie Agamben sagt, "Dienstleistung am Volk“

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