Ohren auf Italienische Klassik

Ach, wo ist meine Liebe, wo ist mein Herz?

Feuilleton | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Unter dem Titel "Love and Loss“ (Hyperion) präsentiert das Barockensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen eine Auswahl aus den letzten drei Madrigalbüchern von Claudio Monteverdi. Es geht um Liebe, Leidenschaft, Abschied und Verlust. Monteverdi schuf hier ein berührendes Panorama der menschlichen Gefühle zwischen stiller Trauer, heftigem Schmerz und sinnlichem Begehren.

Für die Solopartie des Testo im gewaltigen "Combattimento“ engagierten die Musiker den Tenor James Gilchrist. Monteverdi ließ es hier so richtig krachen; man hört einen feurigen Schlachtengesang aus bebenden Sechzehntelnoten, Trompetenfanfaren, Tremoli und Pizzicati.

An einem Apriltag des Jahres 1718 wurde ein zwei Monate altes Mädchen vor einem Waisenhaus in Venedig ausgesetzt. Mit zwölf begann Chiara Violine zu spielen, mit 21 war sie die wohl beste Geigerin Europas. Vivaldi, aber auch andere Komponisten wie Giovanni Porta oder Andrea Bernasconi widmeten ihr Solokonzerte. Fabio Biondi hat die lange verschollenen Werke aus den Archiven hervorgeholt und gemeinsam mit seinem Ensemble Europa Galante aufgenommen. Dem Ergebnis dieser mitreißend musizierten Entdeckungsreise, "Il Diario di Chiara“ (Glossa), liegt ein Dokumentarfilm bei, der vom Leben des venezianischen Wunderkindes erzählt.

Im Neapel zu Zeiten Pergolesis war die Improvisation Teil des musikalischen Lebens. Das hat sich die Sängerin Maria Pia De Vito zu Herzen genommen und gemeinsam mit François Couturier, Anja Lechner und Michele Rabbia die Musik des italienischen Meisters neu interpretiert. Auf "Il Pergolese“ (ECM) arrangiert und improvisiert das Quartett über einzelne Themen; ganz selbstverständlich mischen sich Cello, Gesang, Klavier, Perkussion und elektronische Klänge. Ein kühnes und doch fabelhaft geglücktes Unterfangen, das Pergolesis Musik behutsam im Hier und Jetzt erklingen lässt.

miriam damev


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