Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Geh doch weinen!

Steiermark | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Tief und erbärmlich: So fand Finanzlandesrätin Bettina Vollath (SPÖ) die Postings zum Rücktritt ihrer steirischen Regierungskollegin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP), wie sie der Kleinen Zeitung sagte. Politikerinnen gäben wohl "eine noch willkommenere Zielscheibe für Shitstorms ab als die männlichen Pendants“, ergänzte sie in ihrem Blog. "Geh doch weinen!“, ätzte umgehend ein Poster.

Doch leider hat Vollath Recht.

Natürlich kann man Edlinger-Ploder kritisieren, sei es inhaltlich etwa für den Pflegeregress oder wegen der Art, wie sie Entscheidungen traf: Sie galt nicht gerade als eine, die sich geduldig alle Seiten anhört.

Aber darf man sie deswegen "Ratte“ nennen, "Pack“, "ÖVP-Schrott“? Was da alles abgeladen wurde, spricht einmal mehr für ein Ende der Anonymität in Onlineforen. Es lehrt uns aber auch einiges über den Status quo in Sachen Gleichstellung.

X-mal fällt da das Totschlagwort "Quotenfrau“. Wahr ist, dass Edlinger-Ploder von der damaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic gefördert wurde - das ist nicht verwerflich und heißt bei Männern "Seilschaften“. Und was soll der dumme Hinweis, "Frausein allein“ genüge nicht?

Oft kam auch der Vorwurf, der Rücktritt sei typisch - Frauen liefen beim leisesten Widerstand flennend davon. Sie seien nun mal "nicht krisenresistent“. Das ist gerade bei Edlinger-Ploder, die elf Jahre in der Regierung war, absurd: Wie immer man zu ihren Positionen steht, sie vertrat diese auch gegen harten als auch parteiinternen Widerstand. Einsicht zum Frauentag: Die Ressentiments gegenüber weiblichen Führungskräften sind doch um einiges ärger, als wir an guten Tagen glauben wollen. F


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