Tiere

Schlafgas

Falters Zoo | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Was ist der Mensch im Schlaf? Er ist bloß Pflanze“, meinte Georg Christoph Lichtenberg, Begründer des deutschsprachigen Aphorismus. Um mit solchen botanischen Meinungen aufzuräumen, findet am 14. März der Weltschlaftag statt. An diesem Datum will man nicht der Frühjahrsmüdigkeit huldigen, sondern Beiträge zur Somnologie präsentieren. Die Schlafforschung steckt nämlich noch immer voll ungelöster Rätsel.

Bis vor 50 Jahren konnte man sich noch nicht darauf einigen, ob Schlaf ein passiver Vorgang ist, der bei Verschwinden des Wachzustandes eintritt, oder ob dieser Zustand aktiv durch Erregung bestimmter Hirngebiete ausgelöst wird. Stand der aktuellen Wissens ist, dass die meisten Nervenzellen im Gehirn sowohl im Schlaf wie im Wachen aktiv sind. Soll heißen: Das Gehirn schläft während des Schlafs nicht. Sondern es entsorgt währenddessen toxische Proteine. Ungelöst war daran bislang, wie dies möglich ist, denn das im Körper dafür zuständige Lymphsystem endet an der sogenannten Blut-Hirn-Schranke. Jetzt entdeckte man ein zweites Entsorgungssystem: Gliazellen, eine Art Stützgerüst für Nervenzellen und zuständig für den Flüssigkeitstransport im Hirn, lassen im Schlaf Gehirnzellen um 60 Prozent schrumpfen. Durch entstehende "Abwasserkanäle“ können dann die Stoffwechselendprodukte aus dem Kopf abtransportiert werden. Auch wenn man es nicht wahrhaben will, beim Denken entsteht halt auch viel Mist.

Schwierig gestaltet sich weiterhin die artübergreifende vergleichende Schlafforschung. Wie zum Beispiel stellt man bei Tieren ohne bewegliche Augenlider fest, ob sie schlafen? Analog zu den Rapid Eye Movements der Säugetiere gilt bei Bienen ein rhythmisches Zucken der Fühler als Zeichen tiefer Schlafphasen.

Wann ist ein Tier wach, aber bewegungslos, und ab wann träumt es? Kühe schlafen etwa vier Stunden pro Tag, dösen aber in gleicher Stellung weitere acht Stunden.

Unklar ist auch, warum manche Tiere nur drei, andere 20 Stunden Schlaf benötigen. Die bei Menschen übliche Einteilung in "Lerchen“ und "Eulen“ macht da wenig Sinn. Top-Langschläfer sind jedenfalls mit täglichen 20 Stunden manche Fledermausarten. Knapp gefolgt vom Opossum (18 Stunden) und dem Igel (17 Stunden). Faultiere liegen mit ca. 15 bis 16 Stunden fern der Spitze. Das ist übrigens eine beliebte Fangfrage bei Quizzen. F

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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