High und low in einem Flow

Der deutsche Kulturtheoretiker Klaus Theweleit lässt uns diese Woche an seinem Wissen teilhaben

Steiermark | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Bekannt wurde der 1942 in Ostpreußen geborene Kulturtheoretiker und Schriftsteller Klaus Theweleit mit seiner Dissertation über Freikorps-Literatur, die 1977 unter dem Titel "Männerphantasien" erschienen ist. Mit seiner eingehenden Betrachtung von Männern, die vom wilhelminischen Deutschland zu Soldaten erzogen wurden und sich dann vom Nationalsozialismus angezogen fühlten, stachelte er zudem eine neue psychoanalytische Faschismustheorie an. Dass Theweleit zu einer Ausnahmeerscheinung der Theoretikerzunft wurde, lag an seiner einzigartigen Methode, in einem "wahren Materialgewitter", wie die Literaturkritikerin Sigrid Löffler einmal feststellte, Medienströme und Diskursformen zu Schriftund Bilderbüchern zu verbinden, in denen Trivialmythen genauso Einzug hielten wie Pop, Film, Fernsehen, Comics und Werbung. Also high und low in einem Flow.

Neben den "Männerphantasien" gehören das "Buch der Könige"(1988 und 1994), "Objektwahl" (1990), "Ghosts" (1998) und vor allem "Der Pocahontas-Komplex" (1999), in dem er zu Kolonialismus und Macht forschte, zu seinen bekanntesten Werken. Neben seinen großen Themen wie Faschismus, Kolonialismus, Klassenkämpfe oder Geschlechterkämpfe widmete sich der international Lehrende etwa auch Jimi Hendrix oder Sigmund Freud. Immer unter der Prämisse, "hinter dem historischen Faktenwissen allgemeine psycho-soziale Strukturen zu enthüllen".

Diese Woche kommt Theweleit nach Graz, um zu einer Frühlingsvorlesung an zwei Tagen anzutreten. Es ist nicht der erste prominente Denker, den die Akademie Graz bei ihren Frühlings-beziehungsweise Herbstvorlesungen begrüßen darf. Vor ihm waren bereits Konrad P. Liessmann, Franz Schuh, Dimitré Dinev oder Ilija Trojanow zu Gast. Unter dem von Antonin Artaud geliehenen Titel "Der Körper ist das Schlachtfeld" xwird Theweleit im GrazMuseum am Montag zu folgendem Thema refererieren: "Von der Ich-Spaltung zum Segment-Ich. Überlegungen zum Aktualaufbau der euramerikanischen Person". Er wird dabei dem Einfluss von technologischen und medialen Entwicklungen auf Körperbau und Hirnstruktur nachspüren; ein hochaktuelles Thema. Leichte Kost wird auch am Dienstag nicht gereicht: "Anders Breivik: Der Körper des Killers. Zur Psychophysik heutiger zwanghafter Gewalttäter. Oder: Neues vom Nicht-zu-Ende-Geborenen" widmet sich den Überlegungen des amerikanischen Hirnforschers Antonio Damasio und seinen Ausführungen zum "Körper als Speichermedium". Die Termine sollte man sich speichern!

GrazMuseum, Mo und Di, jeweils 19.00


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