Film Neu im Kino

Familie im Clinch: "Im August in Osage County"

Lexikon | LUDMILLA DITTRICH | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Selten wird das Raum-Zeit-Gefüge in einem Filmtitel so klar benannt: "Im August in Osage County". Hinter diesen halbwegs präzisen Koordinaten steckt ein universelles Thema. Es geht um Beziehungen und darum, wie das Ego diesen dazwischenfunkt. Die Prärie des Mittleren Westens der USA scheint in jeder Hinsicht öde. Ein Blick hinter die Fassade enthüllt charakterliche Abgründe -es menschelt im Heim der Familie Weston.

Das Oberhaupt des dysfunktionalen Clans ist die krebskranke, tabletten-und streitsüchtige Violet (Meryl Streep). Als ihr Mann spurlos verschwindet, finden sich ihre drei Töchter zu Hause ein. Barbara (Julia Roberts), die Resoluteste, hat Probleme mit ihrem Mann (Ewan McGregor) und der pubertierenden Tochter im Gepäck. Die flatterhafte Karen (Juliette Lewis) reist aus dem Sunshine State an. Die Dritte im Bunde, Ivy (Julianne Nicholson), kümmert sich als Daheimgebliebene um die exzentrische Mutter. Die Familienzusammenkunft wird zur Geduldsprobe für alle Beteiligten. Schonungslos werden Gemeinheiten ausgetauscht, und alles, was irgendwann fein säuberlich unter den Teppich gekehrt wurde, wird nach und nach hervorgeholt.

Regisseur John Wells macht sich die besonderen Schauplätze zunutze. So lässt das beengende Heim inmitten der Weite der Great Plains kaum Luft zum Atmen. Der Film wirkt damit über die kammerspielhafte Dimension der Geschichte hinaus. Bis in die Nebenrollen optimal besetzt, besticht "Im August in Osage County" durch eine außergewöhnliche Ensembleperformance. Die Figuren, die Tracy Letts nach seinem Theatertext nun im Drehbuch entworfen hat, bieten ein facettenreiches Experimentierfeld für das gesamte Cast. Allen voran ziehen Meryl Streep und Julia Roberts alle Register im Machtkampf zwischen Mutter und Tochter.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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