Theater Kritik

Und Johnny ging zum Regenbogen

Lexikon | WK | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Niemandem stehen Smokinghemden so gut wie den "Husbands" von John Cassavetes. In dem Film von 1970 spielen Peter Falk, Ben Gazzara und Cassavetes selbst drei Ehemänner, die in eine Lebenskrise geraten. 1987, kurz vor seinem Tod, hat Cassavetes für Falk und Gazzara ein Theaterstück geschrieben, das dann aber nicht mehr realisiert werden konnte. Erst jetzt wurde "Begin the Beguine" uraufgeführt. Die Smokinghemden, die sie selbstverständlich auch hier tragen, stehen den Herren ganz ausgezeichnet, aber sie sind keine 40 und auch keine Ehemänner mehr. Gito Spaiano (Falk Rockstroh) trägt seine Wunden mit bitterer Grandezza; den Glauben an die Liebe hat er verloren. Morris Wine (Oliver Stokowski) - Personenbeschreibung: "immer auf der Jagd nach dem Regenbogen" - gibt sich mit der Simulation von Gefühlen zufrieden. Die beiden Freunde haben sich in ein Apartment zurückgezogen und bestellen immer wieder neue Prostituierte, die ihren komplizierten Ansprüchen aber nie gerecht werden.

"Begin the Beguine" ist absurd wie ein Beckett-Stück, machistisch wie ein Herrenabend und philosophisch wie eine Tschechow-Komödie. Regie führte Jan Lauwers, dessen Needcompany mit dem Burgtheater kooperiert - und erstmals funktioniert das Joint Venture. So lapidar und lässig wird hier selten Theater gespielt, magische Needcompany-Momente inklusive. Inge Van Bruystegem und Sung-Im Her aus der Needcompany, die die Prostituierten spielen, sprechen Englisch und kommen auch körpersprachlich aus einer anderen Theaterwelt. Das stört aber gar nicht, im Gegenteil: Die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den verkorksten Freiern und den überforderten Nutten werden so nur anschaulicher, auch komischer.

Die Aufführung ist eine schöne Hommage an John Cassavetes und seine zwei Lebensschauspieler. Und natürlich an ihre Smokinghemden.

Akademietheater, So 19.00, Mo 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige