Film Neu im Kino

Supercalifragilisticexpialidocious! Saving Mr. Banks

Lexikon | MICHAEL PEKLER | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Pinguine als Zeichentrick. Schlimm genug, was sich die Drehbuchautoren und Komponisten aus dem Hause Disney bisher einfallen haben lassen, um den Kinderbuchklassiker "Mary Poppins" familiengerecht für die Leinwand zu adaptieren. Und es hat P.L. Travers einige Überwindung gekostet, dem Drängen des Mickey-Mouse-Produzenten nachzugeben und ins Flugzeug nach Los Angeles zu steigen, um ihr berühmtestes Buch vor Ort in dessen Verwertungsmaschinerie zu schicken. Doch die gezeichneten Pinguine, die um Dick Van Dyke herumwatscheln sollen, bringen das Fass zum Überlaufen: Das nennt sich Vertragsbruch.

Dass es am Ende doch zur Adaptierung der Geschichte des Kindermädchens mit den magischen Fähigkeiten kommen sollte, liegt daran, dass Travers Anfang der 60er-Jahre von ihrem Ruhm nicht mehr leben konnte, während Disney bis kurz vor seinem Tod den gesamten Unterhaltungsbereich abschöpfte. "Saving Mr. Banks", den Regisseur John Lee Hancock nun selbstverständlich für das Disney Studio inszeniert hat, ist also in gewisser Weise ein Disney'sches Hausmärchen, in dem der liebe Onkel (Tom Hanks mit Bärtchen) die aufsässige Schriftstellerin (Emma Thompson mit Täschchen) erweichen muss, indem er in ihr das kleine Mädchen wieder zum Leben erweckt. Das dauert eine gewisse Zeit und funktioniert im Film mittels Rückblenden in Travers' australische Kindheit, in der ihr alkoholkranker Vater (Colin Farrell mit Fläschchen) für Trauma und Kreativität gleichermaßen sorgt.

Diese Pennälerpsychologie ist aber ebenso zu verschmerzen wie die weichgespülte Zeichnung des Imperiumchefs, denn dieser Film gehört eindeutig der wie immer großartigen Emma Thompson. Britisch-australische Zickigkeit nicht zu amerikanischer Farce verkommen zu lassen, das ist Kunst. Supercalifragilisticexpialidocious - Originalfassungspflicht!

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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