Performance Tipp

Ein Konditoreibesuch als Performance

Lexikon | WK | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Das Brut-Performancefestival imagetanz wurde heuer erstmals von Katalin Erdödi kuratiert. An der grundsätzlichen Ausrichtung hat sich nichts geändert: Der Schwerpunkt liegt auf nationalen und internationalen Acts, die noch keinegroße Namen haben. Thematisch steht das Festival unter dem doppeldeutigen Motto "Who cares?", formal ist das Programm breit gefächert, neben den Brut-Bühnen in Künstlerhaus und Konzerthaus werden auch andere Orte bespielt.

Die Wiener Performerin Barbara Ungepflegt etwa bittet für ihr Projekt "Endlich", mit dem das Festival eröffnet wird, in die Café-Konditorei Mentone in der Kirchengasse; unter den Darstellern befindet sich auch der Wienerliedtexter Peter Ahorner. Sabina Holzer, Mariella Greil und Nikolaus Gansterer bitten im öffentlichen Raum von Favoriten zum "Grundeinkommenstanz". Und die belgische Performerin Sarah Vanhee dringt mit ihrer "Lecture For Every One" in verschiedene Versammlungen -von der Parlamentssitzung bis zum Teammeeting im Büro -ein, um dort einen Vortrag über den Zustand unseres Gemeinwesens zu halten.

In mehreren Beiträgen des Festivals wird die Position des Künstlers reflektiert. Das Berliner Duo Harder&Schultz richtet im Rahmen des Festivals ein "Künstlerisches Bedarfsbüro" ein, das den Künstlern der Stadt mit Rat und Tat zur Seite steht. Der Finne Joonas Lahtinen macht in seinem Solo "I Blame You, Tony Blair!" den Ex-Premierminister für die prekären Arbeitsbedingungen heutiger Kunstproduktion verantwortlich. Und die Estin Maike Lond dokumentiert in "10 journeys to a place where nothing happens" ihren Langzeitversuch, sich durch einen Mäzen von den Abhängigkeiten des Kunstbetriebs zu befreien. Ein Festivalpass ( € 56,-/ € 34,-) liegt auf, es können aber auch Einzel-oder Tagestickets erworben werden.

Brut Wien, 6. bis 22.3.


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