Kunst Kritik

Sex und Tod: große Kunst von alten Männern

Lexikon | NS | aus FALTER 10/14 vom 05.03.2014

Als der belgische Künstler Marcel Broodthaers 1971 im Katalog des Kölner Kunstmarkts eine Anzeige mit dem Text "Museum zu verkaufen wegen Konkurs" schaltete, hatte er die Idee des traditionellen Museums schlechthin im Sinn. In Zeiten der Finanzkrise würde eine derartige Verlautbarung aber heute wohl nicht besonders verwundern. So zeigte sich der Kunstsammler Anton Herbert bei der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung "Musée à vendre pour cause de faillite. Herbert Foundation und Mumok im Dialog" empört über das Brüsseler Musée des Beaux Arts, das seine Abteilungen für moderne und zeitgenössische Kunst aus Budgetnöten einfach geschlossen hält. Das Privatmuseum Herbert Foundation wird diesem Mangel abhelfen; vorher sind Teile der Sammlung noch in Wien zu sehen.

Die Herberts bringen große Namen wie Gerhard Richter, Bruce Nauman oder Sol Lewitt nach Wien, ausschließlich Männer, unter denen der 1958 geborene Heimo Zobernig der Jüngste ist. Die so humorvolle wie vertrackte Institutionskritik von Broodthaers ist in der Schau breit vertreten. Wer das Werk des Künstlers kennt, kann sich freuen; ohne Kenntnisse bleiben die auf recht engem Raum präsentierten Plakate, Filmprojektionen und Drucke zu fiktiven Museen schwer verständlich. Anders der Raum zu Bruce Nauman, dessen Neonskulptur "Sex and Death" von 1985 ohne Erläuterung auskommt. In Dan Grahams "Public Space /Two Audiences" stehen sich die gespiegelten Betrachter vor einer Glaswand wie Ausstellungsobjekte gegenüber. Sonst noch viel Kippenberger, Pistoletto, West -alles groß und museal. Neben Hanne Darbovens Riesenwerk "Ein Jahrhundert" aus dem Mumok haben es mit Jakob Lena Knebl und Lone Haugard Madsen zwei performende Künstlerinnen in die Schau geschafft -allerdings nur als Heimo Zobernigs Doubles.

Mumok, bis 18.5.


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