Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Supernackt

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Es war nicht das erste Mal, dass Falter-Zeichner Tex Rubinowitz auf dem Cover des Falter erschien. Aber ganz nackt zeigte er sich zum ersten Mal auf dieser Ausgabe. Unmittelbarer Anlass war die Präsentation eines Buch mit dem Titel "Der einzige Spaß in der Sadt". Der Sparverein Die Unzertrennlichen, geleitet von Kurt Palm, feierte sein angeblich 5000-jähriges Bestehen. Roland Koberg berichtete über die Feierlichkeiten. Der Falter brachte weiter Nacktfotos im Blatt.

Tex Rubinowitz lieferte nicht nur die gewohnten Zeichnungen, er glänzte auch als politischer Illustrator und kommentierte mit ein paar Verzierungen Fotos von Politikern. Dem Kärntner SPÖ-Chef Peter Ambrozy zeichnete er einen Arm, der aus dessen Passbild herausragte und eine Pistole hielt, mit der Ambrozy auf seine Schläfe zielte. Walter Meischberger erhielt einen Weißclownhut, der sein Siegerlachen kaum abzuschwächen vermochte, Heide Schmidt bekam zwei Tränen verpasst und die Grüne Eva Lichtenberger Engelsflügel und einen Heiligenschein.

Alles klar? Landtagswahlen waren geschlagen, Jörg Haider hatte gewonnen, wie immer, alle anderen verloren. Wie Thomas Seifert berichtete, wurde Politik nicht nur an den Urnen, sondern auch in Anwaltsbüros und Gerichten ausgetragen. Jörg Haider klagte Peter Ambrozy wegen "Verdachts des Betrugs und der Untreue" - ja, wenn man den Jörgl heute noch auf so etwas klagen könnte!

In Tirol wiederum klagte die Familie Wallnöfer die FPÖ (verantwortlich für Werbung: Bundesgeschäftsführer Walter Meischberger). Meischi hatte plakatieren lassen: "Walli würde diesmal FPÖ wählen - Tirol den Tirolern!" Mit "Walli" war der urgesteinige ÖVP-Landeshauptmann Wallnöfer gemeint, nicht der nachmalige "Mr. Supernackt" Walli Meischberger.

P.S.: Ein hoffnungsvoller Student namens Christoph Hofinger kommentierte die Wählerströme. Es dürfte sich um eine Premiere gehandelt haben. Das ist Konstanz: Wie Rubinowitz arbeitet auch Hofinger noch heute für den Falter.


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