Kein Schmelztiegel, ein Mosaik

Warum entstand in Sarajevo nie ein freies Bürgertum? Ein Buch erzählt die Geschichte der Stadt

Politik | Rezension: Norbert Mappes-Niediek | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Von der geprüften Stadt zwischen hohen Bergen geht auch heute noch ein Zauber aus, den jeder spürt, der von ihrer Geschichte nichts weiß - die Rucksacktouristen zum Beispiel, die sich in den unzähligen Hostels einquartieren und gar nicht mehr weg möchten. Lange bevor Multikulti ein westlicher Wert wurde, war Sarajevo schon ein Mythos.

Für den großen Belgrader (und Wiener) Architekten und Urbanologen Bogdan Bogdanović war die Stadt mit ihren Minaretten, Kirchtürmen und Synagogen der "lebendige Beweis, dass man gemeinsam leben, denken, fühlen kann und konnte". Der Südosteuropa-Historiker Holm Sundhaussen hat dem Genius Loci, dem Spirit der Stadt, nachgespürt. Bei aller Sympathie ist dem Berliner Professor Schwärmerei doch fremd, und gerade darum bringt er interessante Ergebnisse zusammen.

Die Siedlung um den "Serail", die Residenz des Verwalters, entstand als muslimische Stiftung im Frühjahr 1462, erlebte im 16. Jahrhundert - unter anderem mit dem heute noch zu bestaunenden ersten


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