Tiere

Ausgestallt

Peter Iwaniewicz weist im Namen des Lektorats darauf hin, dass Hasen keine Nagetiere sind

Falters Zoo | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Raffi nierte Idee von Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder: Kurz vor Ostern wird der Feldhase aus dem Stall gelassen. Genau genommen wird er nicht aus, sondern in den prunkigen Albertina-Stall gehängt, nachdem er jahrelang in den Dunkelkammern des Archivs ein lichtloses Dasein fristete. Dürers Feldhase gehört nicht ohne Grund zu den Ikonen bildender Kunst: Vor dem Jahr 1502 hatte noch nie jemand so detailgetreu und naturalistisch ein profanes Lebewesen dargestellt. Deutlich zu erkennen sind die zwei verschiedenen Haartypen des Fells: oben die steiferen Grannen mit schwarzen Spitzen, unter denen die flauschigen Wollhaare hervorblitzen.

Unter Kunsthistorikern wurde erörtert, ob Dürer seinerzeit ein lebendes Tier porträtierte. Seine Körperhaltung entspricht jedenfalls dem Verhalten in freier Wildbahn, wo sich Feldhasen tief in Bodenmulden drücken. Dabei legen sie aber ihre langen Ohren an den Rücken. Dürers Hase hingegen hat die Ohren hoch aufgestellt. Schön sind auf dem Aquarell auch die üppigen Barthaare zu sehen. Je nachdem, wie sehr diese Haare beim Eindringen in enge Stellen gebogen werden, kann der Nager abschätzen, ob sein Körper noch hindurchpassen wird.

Ein besonderes, nicht gleich erkenntliches Gestaltungselement verleiht den dunklen Pupillen des Hasen lebendigen Glanz: Im rechten Auge spiegelt sich ein Fensterkreuz. Dies beeinflusste zahlreiche Künstler und selbst Walt Disney ließ die Augen der zweidimensionalen Mickey Mouse durch diesen Trick plastischer erscheinen. Aber Obacht! Wer in der Albertina so nahe an das Gemälde herangeht, um das erkennen zu können, bekommt Probleme mit dem Sicherheitsdienst. Im Museum geht es dem Hasen gut. Anders die Situation in der Natur. Im Jagdjahr 2012/13 vermerkt die Statistik Austria 126.000 Abschüsse von Feldhasen. Unter Jägern beklagt man die "rückläufigen Tendenzen in der Besatzentwicklung" und bemisst diese "Hasenstrecken" in Stück pro Hektar.

Im Freiland können Feldhasen maximal zwölf Jahre alt werden, in der Realität überlebt mehr als die Hälfte der Hasen nicht das erste Jahr. In der Jagdzeitschrift Österreichisches Weidwerk liest sich das dann so: "Mit der Steigerung der Preise für landwirtschaftliche Produkte wird auch die Wildschadensproblematik viel brisanter". Zum Glück gibt's Museen.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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