Opern für eine bessere Welt

Keiner hat die politische und gesellschaftliche Bedeutung der Oper so radikal eingefordert wie Gerard Mortier

Feuilleton | Würdigung: Sven Hartberger | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Memoiren zu schreiben wäre Gerard Mortier nie in den Sinn gekommen, auch nicht, wenn er hundert Jahre lang gelebt hätte. Der Weg des Bäckerbuben aus Gent an die Spitze der internationalen Opernwelt war einfach keine Geschichte, die er interessant fand oder die er hätte erzählen wollen. Ihm ging es um Grundsätzliches, nämlich um die Frage, welchen Platz die Kunstform Oper heute im Leben der Menschen hat, um die politische und gesellschaftliche Verantwortung des Musiktheaters.

Die bloße Aufzählung der Stationen seines Schaffens ergibt kein gültiges Bild, vermittelt aber immerhin eine Vorstellung von einer Karriere: Mortier begann als Assistent beim Flandernfestival und in der Deutschen Oper am Rhein, er nutzte das Jahrzehnt seiner Intendanz (1981-1991), um das Théâtre de la Monnaie aus der Randständigkeit zu holen und in den Mittelpunkt des internationalen Opernlebens zu rücken. Die Salzburger Festspiele wurden von ihm neu gedacht und erfunden (1992-2001), der Ruhrpott in ein


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