Meinesgleichen

Uli Hoeneß, Symbolfigur einer Ära

Falter & Meinung | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Auf dem Höhepunkt der Karriere geht gern einmal etwas schief. Der Erfolg des FC Bayern München im Weltfußball ist beinahe ohne Parallele, im deutschen Fußball sowieso. Die Bayern gewinnen einfach alles. Ihr Aufsichtsratsvorsitzender und starker Mann Uli Hoeneß hingegen erlebt seine schwersten Stunden. Er steht seit Montag dieser Woche als Angeklagter in einem Saal des Münchner Landesgerichts. Hoeneß hat sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt, allerdings nicht aus ganz freien Stücken, sondern weil ihm recherchierende Journalisten der Illustrierten Stern auf der Spur waren. Die Bedrängnis dürfte zugenommen haben: Am ersten Verhandlungstag gestand Hoeneß, nicht drei, sondern über 18 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Die exemplarischen Fälle häufen sich. Es ist aber nicht so, dass mit einer Ära abgerechnet würde: Vielmehr begegnet uns auch der bieder wirkende Hoeneß als sympathischer Einzelfall auf Abwegen. Auf einem Konto der Schweizer Bank Vontobel ließ er mit dreistelligen Millionenbeträgen zocken. Nebenbei ahnt man, was mit dem österreichischschweizerischen Steuer-Separatabkommen der Maria Fekter alles unter den Tisch fiel. Hätte Deutschland wie Österreich gehandelt, wäre der Fall Hoeneß anonym geblieben. Neben allem anderen stellt er uns die Frage, wie man juristisch mit Leuten umgeht, die das Gemeinwesen durch Hinterziehung oder sonstwie schädigen. Vermutlich können wir dieser Tage in München diesbezüglich etwas lernen.


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