Filmgeschichte in eigener Sache zwischen Dean Martin &Franz Josef Strauß

Feuilleton | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Hélène betritt die Kammer ihres Stiefsohns, der als Soldat in Algerien gedient und bei jeder Gelegenheit fotografiert und gefilmt hat. Noch während sie sich umsieht, folgt der Zwischenschnitt auf ein Bild, das im Lichtstrahl eines Projektors verglüht. Film ist eine fragile Angelegenheit. Es bedarf eigener Museen, um kommenden Generationen das Ereignis Film zu bewahren.

Die beschriebene Szene stammt aus Alain Resnais' "Muriel"(1963), einem von 78 Filmen, mit denen das Österreichische Filmmuseum sein 50-Jahre-Jubiläum feiert: "1964 -Wendepunkte des Kinos" beschreibt einen Streifzug durch die kulturelle Landschaft des Films: von Herbst 1962 (der ersten Begegnung der beiden Gründungsdirektoren des Hauses) bis zum Herbst 1965 (als das Museum in der Albertina seine Heimstatt fand).

Nach der Art des New Historicism stehen hier Bekanntes und Unbekanntes, Fiktives und Dokumentarisches, industriell Produziertes und radikal Persönliches gleichberechtigt nebeneinander. "Le Mépris", in dem Godard u.a. Hölderlin und Dean Martin zitiert, steht neben "Kiss Me, Stupid", der bösen Kleinstadtsatire von Billy Wilder, in der sich alles um einen Entertainer namens Dino dreht. D.A. Pennebaker nimmt sich mit "Hier Strauss" des bayrischen Rechtsaußen an, Emile de Antonio trägt mit "Point of Order" die McCarthy-Ära zu Grabe. Chris Marker denkt in "La Jetée" eine Zukunft in Standbildern, während in Marie Menkens "Go!Go!Go!" die Leute schon heute (1962) wie von Sinnen dahinrasen. Vorträge prominenter Gäste von US-Theoretiker P. Adams Sitney über Natacha Laurent von der Cinémathèque de Toulouse bis zum Kölner Konsulenten Olaf Möller ergänzen die Filmschau.

"1964. Wendepunkte des Kinos" bis 10. April im Österreichischen Filmmuseum


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige