Ohren auf

Eine Stadt, drei Planeten: Denk, Spengler, Minisex

Wienereien

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Das österreichische Popjahr hat mit Left Boy, Ernst Molden und Ja, Panik stark begonnen, und es geht auch munter so weiter: Kreisky werfen demnächst einen eindrucksvollen "Blick auf die Alpen", Indiebands von Bulbul bis M185 legen neues Material vor, und Der Nino aus Wien bringt bald zwei Alben auf einmal heraus.

Überbrücken lässt sich die Zeit bis dahin mit "Clemens Band Denk" (Totally Wired), dem Zweitling des in Wien lebenden niederösterreichischen Künstlers Clemens Denk. Die verschrobene Lo-Fi-Heimwerker-Bastelei des Debüts ist passé, Denk hat jetzt eine Band um sich, der eben auch Der Nino aus Wien angehört. Klassischer Liedermacherkunst fährt Denk mit dem Punkarsch ins Gesicht, es schrammelt und rappelt im Karton und die alte Tante Renitenz erhebt ihr ungewaschenes Haupt. Dass die eigenartig-poetischen Texte eher genervt deklamiert als schön gesungen werden, komplettiert das Rumpelpopglück.

Selbe Stadt, anderer Planet: Das Quartett Martin Spenger & die foischn Wiener beweist mit "Vü föd ned" (Foische Wiener), dass sein schönes Neo-Wienerlied-Debüt vor zwei Jahren kein Zufallstreffer war. Die Musik - im Kern mit Gitarre, Ziehharmonika und Kontrabass angerichtet - ist reduziert und kitschfrei, die teils zweistimmig gesungenen Dialekttexte handeln ansprechend von der Liebe, dem Leben, dem Tod und dem Alkohol, und nicht einmal die Vertonung des "Michael Kohlhaas"-Stoffes gerät hier aufgesetzt oder gar prätentiös.

Selbe Stadt, wieder anderer Planet: Gut 30 Jahre nach ihrer großen Zeit meldet sich die Wiener New-Wave-Band Minisex überraschend zurück. "Reduziert"(Monkey), produziert von den Elektroboys Christopher Just, Gerhard Potuznik und Patrick Pulsinger, hätte halblustig oder ganz peinlich werden können, ist de facto aber ein einwandfreies Stück Elektropop zwischen schwelgerisch und forsch (siehe auch Interview in der Falter:Woche).


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