Buch der Stunde

Sechs Personen suchen einen Ausweg

Isabella Grossmann | Feuilleton | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

"Ich dachte, er wäre blind, so hat er mich erwischt." Diese Worte notiert der 16-jährige Linus, nachdem er von einem vorgeblich Blinden, die Hilfsbereitschaft des Burschen ausnützend, entführt und in einen Bunker gesperrt wurde. Ein rechteckiges Loch unter der Erde, ausgekleidet mit Stahlbetonwänden, ausgestattet mit einer Küche, einem Bad und sechs kleinen Zimmern.

Keine Fenster, keine Türen, ein Aufzug ist der einzige Zugang, über den nach und nach fünf weitere Personen in das unterirdische Gefängnis kommen: eine selbstsichere Geschäftsfrau, ein alter Philosophieprofessor, ein prolliger Junkie, ein ignoranter Wirtschaftsberater und ein neunjähriges Mädchen. Sechs gänzlich verschiedene Menschen, die dementsprechend unterschiedlich auf diese ausweglose Situation reagieren. Zwischen Ratlosigkeit, Rückzug und Resignation wechselt die Gefühlslage der Eingesperrten, keiner weiß, was der Entführer eigentlich will.

Nur so viel ist klar: Der Unbekannte beobachtet jede ihrer Bewegungen

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