Am Apparat Telefonkolumne

Warum will die EU Bierkrüge verbieten, Herr Corazza?

Politik | Interview: Joseph Gepp | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Da ist sie angeblich wieder, die EU- Regulierungswut. Die EU wolle den traditionellen bayrischen Bierkrug, den "Keferloher", verbieten, berichten Medien aus Österreich und Deutschland. Grund: Weil der Krug nicht durchsichtig ist, erkenne man nicht, ob er auch vollgefüllt ist. Der Falter hat bei Carlo Corazza nachgefragt, Sprecher des EU-Industriekommissars Antonio Tajani - und festgestellt, dass die Sache nicht so einfach ist.

Herr Corazza, warum will Ihr Ressort den bayrischen Bierkrug verbieten?

Das stimmt nicht, wir verbieten ihn nicht.

Es handelt sich also schlicht um eine Falschinformation?

So, wie es in der deutschen Presse dargestellt wurde, ist es sicherlich falsch. Biergläser oder etwa Weinkaraffen in Restaurants fallen unter die EU-Messgeräte-Richtlinie. Das heißt, Trinkgläser mit Eichstrich werden als "Messinstrumente" definiert. Darauf haben sich die EU-Mitgliedsstaaten, also auch Deutschland, und das Europaparlament im Jahr 2004 geeinigt.

Warum gelten sie als Messinstrumente?

Die Absicht ist, dass der Konsument sofort erkennen kann, ob sein Glas jene Menge an Flüssigkeit enthält, für die er in der Gaststätte oder im Restaurant bezahlt - wenn der Mitgliedsstaat dies so gesetzlich vorgesehen hat.

Und was hat das alles mit den bayrischen Bierkrügen zu tun?

Gemäß der Richtlinie können Mitgliedsstaaten beispielsweise Biergläser in Bars und Restaurants vorschreiben -wenn sie das wollen. Noch einmal: Gläser mit Eichstrich gelten eben als Messinstrumente und Steinkrüge nicht. Ein mögliches Verbot wäre aber eine rein deutsche Entscheidung. Die EU schreibt das nicht vor.

Plant Deutschland etwas in dieser Art?

Wir von der EU-Kommission wissen gar nichts über eine mögliche Absicht der deutschen Behörden in diese Richtung. Auch ist uns nicht bekannt, dass sich Bayern gegen ein EU-Verbot gewehrt hätte - das es ja gar nicht gibt.


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