Ins Mark

Flüsse unter Strom

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Die steirischen Flüsse sind zwar schon jetzt dicht mit Kraftwerken zugebaut, dennoch liegen packenweise Pläne für neue Projekte in den Laden. Bis zu 30 Ansuchen allein für Kleinwasserkraftwerke flattern der Regierung pro Jahr ins Haus. Nun haben die Landesräte Johann Seitinger (VP) und Gerhard Kurzmann (FP) den Entwurf für einen Öko-Wasseratlas vorgelegt, der den Projektwerbern mehr Rechtssicherheit geben und die Flüsse schützen soll. Dazu wurden vorerst die größeren Flüsse in vier Kategorien eingeteilt. Vereinfacht gesagt soll fast ein Fünftel für die Wasserkraft tabu sein. Für 79 Prozent sollen dagegen keine Nutzungseinschränkungen gelten, die üblichen Verfahren sind freilich dennoch nötig. Mit der Vorlage dieses Rahmenplans erfüllt die Regierung eine langjährige Forderung von Umweltvertretern. Umweltanwältin Ute Pöllinger lobt, dass damit die Enns und der Mur-Oberlauf der Energiewirtschaft entzogen und hochalpine Quellen als sakrosankt ausgewiesen werden.

Dennoch sind sie und NGO wie Umweltdachverband und Naturschutzbund nicht zufrieden: 79 Prozent ohne Einschränkung nutzbar zu machen, sei viel zu viel. Zumal nur knapp ein Drittel der steirischen Flussstrecken in gutem oder sehr gutem Zustand sind. Die EU gibt aber das Ziel vor, alle in zumindest guten Zustand zu bringen. Hier besteht Handlungsbedarf, Zurückhaltung bei neuen Kraftwerken ist angesagt. Und selbst wenn Seitinger versichert, auch auf Strecken ohne Einschränkung gehe nicht einfach alles durch: Umweltvertreter fürchten genau das. Bedenkt man wie großzügig die Steiermark bisher Projekte mit Ausnahmeregelungen durchgewunken hat, klingt das leider recht plausibel.


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