Es sieht nicht eben gut aus auf dem Planeten Pop, konstatiert Berthold Seliger in "Das Geschäft mit der Musik"

Feuilleton | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Berthold Seliger ist der rare Fall eines Musikenthusiasten, den auch die jahrzehntelange berufliche Beschäftigung mit Popkultur offenbar kein bisschen zynisch gemacht hat - angriffslustig aber, das durchaus.

In seinem etwas reißerisch "Ein Insiderbericht" untertitelten und dezidiert als "Streitschrift für eine andere Kultur" angelegten Buch "Das Geschäft mit der Musik" zeichnet der Berliner Konzertveranstalter und Autor die Konzentrations-und Monopolisierungsprozesse der Tonträgerindustrie, der Medienbranche und vor allem des Livemarkts nach; er bedauert die umfassende Kommerzialisierung der Popkultur, reflektiert das Thema Urheberrecht und die soziale Situation der Musikschaffenden und freut sich über die Chancen, die das Internet bietet.

Für den gegenwärtigen deutschen Musikjournalismus hat er kaum mehr als Häme übrig, staatliche Unterstützung für Popmusik verdammt er ebenso wie Kultursponsoring, gleichzeitig träumt er, den Philosophen Walter Benjamin paraphrasierend, von den Massen, die sich einer "Kultur der Konzerne" widersetzen. Interessant ist Seliger, wenn er Fakten zusammenträgt und zu Analysen verdichtet; sein Hang zur Polemik kann aber durchaus nerven und seine Gegenentwürfe klingen bisweilen eher naiv-hoffnungsfroh als wirklich fundiert.

Im Kern liefert "Das Geschäft mit der Musik" eine ganz der alten Schule verpflichtete Fundamentalkritik des Status quo auf dem Planeten Pop, seiner Strukturen und Akteure. "Der Kapitalismus ist böse, und er hat seine Finger einfach überall im Spiel - aber es wäre doch schön, wenn es anders wäre", lautet in etwa das Fazit.

Das mag banal klingen, hat aber auch etwas Rührendes. Trotz gewisser Schwächen und blinder Flecken: ein bemerkenswertes Buch.

Berthold Seliger: Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht. Edition Tiamat, 352 S., € 18,-


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