Kunst Kritik

Adieu, leeres Schulhaus, die Kunst muss weiter

Lexikon | NS | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Der auf die Förderung junger Künstler spezialisierte Kunstverein das weisse haus gastiert immer nur temporär in leerstehenden Häusern. Nun steht wieder ein Umzug bevor - der vierte seit 2007. Der Abschied von der guten Lage in einem ehemaligen Schulgebäude in der Argentinierstraße wird mit einer gelungenen Ausstellung würdig zelebriert. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Leere, wie Künstler mit ihr umgehen, sie füllen oder hervorstreichen. Bei der Vernissage von "Unto void fulfils this place" wurde eine spektakuläre Soundperformance geboten, bei der Kathrin Stumreich und Crew von Seilen an der Hausfassade hingen und diese mit Schlagbohrern quasi als Instrument bespielten.

Horror vacui scheint eine der Antriebskräfte von Christian Eisenberger zu sein, denn in den brachialen Installationen des 1978 geborenen Steirers bleibt meist kein Fleckerl leer. Wer Kunst mit Exzess verbindet, wird sich über seine Materialschlacht "Wanted" mit wilden Malereien, Kokons aus Klebeband oder Pornocollagen freuen. Die direkt auf den Boden gegossenen Betonbuchstaben bringen ein neues Element herein und machen formal am meisten her. Das genaue Gegenteil, nämlich einen fast leeren Raum, bietet Michael Strassers Installation. Er legt auf gekonnte Weise den Dachstuhl frei und lenkt den Blick in den nun ausgeleuchteten Dachboden. Einen starken Eindruck hinterlässt auch Michaela Frühwirths riesige Bleistiftzeichnung "Sermilik Research Station" einer Gletscherforschungsstation und Jen Lius so kryptisches wie visuell spannendes Video, das zu dem vor Ort gefundenen Wandgraffito "D.D." fantasiert. Am 12. März findet eine Lecture der Artists-in-Residence Mayumi Nakazaki und Verena Schöttmer mit anschließendem Konzert von Chris Janka statt und am 22. März ab 21 Uhr eine Abschiedsparty.

das weisse haus, bis 22.3.


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