Mediaforschung

Zaubertafel: Die Haare flattern, wenn die U-Bahn einfährt

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

U-Bahn-Fahren belebt die Sinne. Etwa im Winter, wenn's kalt wird: Da kuscheln sich die Fahrgäste zu einer unbeweglichen Masse zusammen, wie Schneeflöckchen, die zu einem Schneeball verschmelzen.

Oder im Hochsommer, der Zeit der Sandalen! Da liegen wie auf einem orientalischen Bazar plötzlich 1001 Gerüche in der Luft.

Schneeflöckchen, Schweißfleckchen - es sind nicht nur die geschärften Sinne, die das U-Bahn-Fahren so attraktiv für die Werbung macht. Nein, es ist vor allem das Warten. Wie vergangene Woche, als ein Systemfehler das halbe Wiener U-Bahn-Netz lahmlegte. Da hatten die Pendler genug Zeit, um die bunten Werbesprüche hinter den Schienen auswendig vorwärts und rückwärts zu lernen. Kein Zufall also, dass die schwedische Werbeagentur Åkestam Holst in Stockholm U-Bahn-Steige für eine geniale Idee auserkoren hat. Um neue Haarprodukte zu bewerben, installierte sie dort auf digitalen Werbetafeln Tonsensoren. Mittels Akustik lässt sich feststellen, wann die U-Bahn einfährt.

Von der digitalen Anzeige lächelt ein Model mit seidigen Haaren. Wenn die U-Bahn kommt und den Pendlern den Fahrtwind ins Gesicht drückt, dann wirbeln die Haare des Models auf der digitalen Tafel wild herum. Effekt: U-Bahn-Fahrer lachen überrascht auf und das Model lacht mit, während es sich seine zerzausten Haare aus dem Gesicht streicht.

Tolle Idee, so etwas würde man auch gern einmal in Wien sehen. Voraussetzung dafür ist eine U-Bahn, die fährt - wegen der Akustik.


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