Endlich wieder offen: die Kunsthalle Wien Karlsplatz mit neuer Ausstellung

Feuilleton | Kritik: Nicole Scheyerer | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Der verglaste Pavillon der Kunsthalle Wien Karlsplatz ist denkbar ungeeignet für Malereiausstellungen. Die Künstlerin Silke Otto-Knapp hat diese schwierige Raumsituation dennoch gereizt. Sie eröffnet nun die renovierte Halle, in der ein Jahr lang keine Kunst zu sehen war, mit Gemälden von Bühnenbildern und kombiniert diese mit Zeichnungen des schwedischen Malers Carl Fredrik Hill (1849-1911).

Es sind verwaschene, wie in Nebel getauchte Tableaus von Tänzerinnen oder Landschaften, mit denen die 1970 geborene Deutsche international gut ankommt. Die Professorin an der University of California verarbeitet dafür Motive aus der Geschichte des Balletts bis hin zu Modern Dance, aber auch japanische Drucke oder Glasmalerei liefern Anregungen. Mehrere der jetzt gezeigten Gemälde rekurrieren auf das legendäre Ensemble Balletts Russes, für das Avantgardekünstler Bühnenbilder und Kostüme entwarfen, so etwa Pablo Picasso für das Stück "Parade".

Otto-Knapp interessierten nicht dessen bekannte kubistische Outfits, sondern sie nahm das Foto des Bühnenbildmodells zur Vorlage. Die Malerin verlässt mit ihren grau-weißschwarzen Bildern die Farbigkeit des Ausgangsmaterials und konzentriert sich stattdessen auf die Verschachtelung von (Bühnen-)Räumen sowie auf Rahmungen durch Vorhänge oder Ornamente.

Die Strategie geht auf: Die Gemälde korrespondieren bestens mit dem Ausblick auf das urbane Umfeld.

Zudem bilden Otto-Knapps leere Bühnen einen spannenden Kontrapunkt zu Hills um die Jahrhundertwende entstandenen Rötelzeichnungen. Auf dessen Kleinformaten drängen sich die hüpfenden Balletteusen und werden von schiefen Wänden und Schreckfiguren in Schach gehalten.

Oft reichen drei Striche für ein fratzenhaftes Gesicht. Die stärkste Wirkung geht aber von den schrägen Architekturansichten aus, die wohl auch das Innenleben des ballettverliebten und psychisch kranken Schweden widerspiegelten.

Bis 25.5. in der Kunsthalle Wien


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