Ein Hofkomplott in Dänemark. Brillant erzählt als Tanzstück an der Oper Graz

Steiermark | Tanzkritik: Herbert Schranz | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Johann Friedrich Struensee war ein reformorientierter deutscher Arzt, der um 1770 zum Regenten Dänemarks aufstieg. Nach Verarztung lechzte Dänemark. König Christian VII. war geisteskrank und seiner Regentschaft nicht gewachsen. Struensee stützte ihn und die vernachlässigte Königin Caroline Mathilde, zu der er ein Liebesverhältnis unterhielt.

"Die Liebe einer Königin" betitelte Ballettdirektor Darrel Toulon denn auch sein Stück, für das in einer Apotheose der Möglichkeiten des Tanzes kontrastvolle Ausdrucksregister der Bewegung entwickelt wurden; um die abgezirkelte Ordnung des Hofes gegen seine Schattenseite abzusetzen, den haltlosen Wahnsinn Christians (Albert Garcia), der an dieser Ordnung zerbricht. Seine Stiefmutter Juliane Marie (Kristina Aleksova) repräsentiert die absolutistische Macht des Hofes, in eleganten, unendlich sicheren Tanzformen. Struensee (Michál Zábavik) durchbricht diese mit Formen, die sich organisch entwickeln, die es nicht einzudrillen gilt wie sonst am Hof, sondern die gemeinsam, in Liebe und Freiheit, mit Caroline Mathilde (Martina De Dominicis) entwickelt werden. Diese Gegenmacht gilt es zu brechen, Struensee wird erschossen - im wahren Leben wurde er nach zwei Jahren geköpft und gevierteilt.

All dies geschieht zu vorwiegend symphonischer Musik Sergej Rachmaninows, auf die Toulon sein Konzept minutiös abgestimmt hat. Die Grazer Philharmoniker unter dem Argentinier José Miguel Esandi nahmen das musikalische Fließen als zu selbstverständlich. Kontraste zwischen pointierter Schärfe und Lethargie wurden eingeebnet.

Oper Graz, Do 19.30, So 15.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige