Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Der Cock Rock hat eine kleine Schwester

Lexikon | Katharina Seidler | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Die Clubkultur und der Weltfrauentag, ein ewiges Ärgernis. An unser Stirnrunzeln rund um kleine Sexismen wie "Girls Nights", bei denen ausschließlich weibliche DJs unter dem gemeinsamen Nenner des "Girl-Seins" spielen, haben wir uns ja fast schon gewöhnt. Aber "Muschihouse"?!? Vor kurzem tauchte dieser Begriff plötzlich auf. Angeblich in irgendeiner Szene gebräuchlich, bezeichnet das Wort weichgespülten Techhouse mit Gitarrensamples; das Magazin The Gap hat ihn gleich unkommentiert als Schimpfwort übernommen. Die Protestwogen im Internet schlugen glücklicherweise sofort hoch, dennoch stolperten wir im Vorfeld zum 8. März wieder über Partyankündigungen von Leuten, die wohl auch "voll schwul" im Sprachschatz haben: "Zu Ehren des Weltfrauentags bleibt die ganze Nacht Muschihousefreie Zone." Sollen wir uns die Entstehung eines weiblichen Pendants zum Negativwort "Cock Rock" aus den 70er-Jahren jetzt etwa als Form der Emanzipation schönreden?

VORSCHAU

DONNERSTAG (13.3.): Die Fluc Wanne hat mit dem Club Ex ab heute eine neue wöchentliche Indie-Schiene. Den Einstand feiern rund 20 DJs, von Andi Fettkakao bis Voodoo Jürgens. Im Chimbiss (6., Nelkengasse 1) liest Kristian Davidek aus Hans Nieswandts Buch "Plus minus acht", im Café Leopold tagt die Freie Textbühne unter anderem mit der dominikanischen Rapperin E-Phife, und der Club 2000 im Celeste hat Stikz aus Linz mit verdaddelten Beats zwischen Electronica und Hip-Hop eingeladen.

FREITAG: Die Kunst-, Medien- und Musikverschmelzungsecke Transformer im Transporter präsentiert zum ersten Geburtstag die belgischen Cold Waver Maan. Im Venster 99 kann man sich bei einer Gabba-Party in die 90er-Jahre versetzen lassen, noch weiter zurück geht es in der Grellen Forelle, wenn die legendäre Wiener NDW-Formation Minisex mit neuem Album und wie Christopher Just auf die Bühne zurückkehrt. Im Fluc gibt es die Möglichkeit, das freshe Wiener Technolabel Sama Recordings kennenzulernen, im Celeste erforscht man den melancholischen Electronica-Pop des Schweizers Buvette. Der Berliner Nick Beringer verlegt House beim Club Deep Dreams auf dem Badeschiff, während Lee Stevens und Simon Lebon mit ähnlichen Vorlieben das Oben kapern.

DIENSTAG: Im Transporter ist Popquiz 3000, in der Fluc Wanne erlebt man den blutjungen schwedischen Rap-Aufsteiger Yung Lean mit seinen Sad Boys. seidler@falter.at

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene


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