Als das Wünschen nicht geholfen hat. El Lissitzky und die Kabakovs im Grazer Kunsthaus

Steiermark | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Selten bringt ein Vergleich zwei künstlerische Positionen zusammen, die einander in Weltanschauung, Menschenbild und Stilistik so fremd sind wie Feuer und Eis. Die Gegenüberstellung des russischen Konstruktivisten El Lissitzky mit Ilya und Emilia Kabakov in "Utopie und Realität" erzählt dennoch eine stringente Geschichte: jene vom euphorischen Aufstieg und tragischen Kollaps der kommunistischen Utopie, Ausgabe Russland.

Die Story ist kaum neu und überraschend. Die direkte Konfrontation von Propaganda und Persiflage konturiert sie aber schärfer. Hier die Großspurigkeit kommunistischer Welt(raum)eroberung, da die ironische, fast kabarettistische Rückholaktion der wahnwitzigsten Denkansätze auf den Boden greifbarer Tatsachen. Geteilt von himmelstürmend hohen Wänden, läuft der für das Kunsthaus Graz aus dem Van Abbemuseum in Eindhoven importierte Vergleich in Kapiteln ab, die sich idealtypisch gegenüberstehen. Utopistische Kosmologie trifft gähnende Leere, die Reinheit der Form auf bunt gemixtes Alltagszeug.

Der bei El Lissitzky verherrlichte Lenin trägt bei den Kabakovs die Züge eines zombiehaft schlafwandelnden Stalin. Es ist klar, wem die Geschichte Recht gibt. Vom frivol verkündeten Sieg über die Sonne blieb zuletzt ein in seiner Selbstüberschätzung fast schon rührender Katapultflug mit pünktlichem Ende. Dementsprechend weit liegen die verwendeten Vokabularien auseinander. Harte Geometrie wird mit lyrischem Kinderbuch-Realismus beantwortet, der ja auch einmal zum Kaschieren des Protests von Nöten war.

Kunsthaus Graz, bis 11.5.


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