Fuck you, Amadeus!

Warum kommen dem österreichischen Musikpreis Amadeus zusehends seine nominierten Künstler abhanden?

Feuilleton | Analyse: Gerhard Stöger | aus FALTER 11/14 vom 12.03.2014

Künstlerisch verbindet die drei Acts nicht viel. Das Duo HVOB steht für House-Pop, die Band Naked Lunch für alternative Gitarrenmusik und Monobrother für Rap mit Wiener Färbung. Eines haben sie aber gemein: Alle drei waren, in unterschiedlichen Kategorien, für den Amadeus nominiert, den vom Verband der österreichischen Musikindustrie ausgerichteten Musikpreis, der im Mai vergeben wird. Und alle drei haben diese Nominierung verweigert.

Höflich, aber sehr bestimmt lehnten HVOB die Praktiken des Amadeus-Partners Kronehit Radio ab, der die Kategorie Elektronik/Dance präsentiert und Zugriff auf Daten der Fans bekommen will, die beim Amadeus-Webvoting für "ihre" Band stimmen. Naked Lunch machten sich über die Zuordnung "Rock/Hard 'n'Heavy" lustig - die Kategorie "Alternative" wurde gestrichen, die Fachjuroren, sofern sie nicht protestierten, automatisch den harten Buben zugeschlagen -, ärgerten sich über die fehlerhafte Bandbeschreibung auf der Amadeus-Website und ersuchten "mit fucking Zucker obendrauf" um Streichung.

Monobrother nutzte sein "Amadeus? Nein, danke!"-Statement für eine Fundamentalkritik am medialen Umgang mit heimischem Pop: "Solange keine angemessene Infrastruktur geschaffen wird und solange musikalische Reichweite in Österreich so eng mit Entwürdigung verknüpft ist, werde ich keine diesbezügliche Nominierung annehmen."

Genau das ist der Punkt: Österreichische Popkultur findet in breitenwirksamen Medien nur statt, wenn sie a) ein hübsches Gesicht hat (Anna F.), b) das Bierzelt füllt (Andreas Gabalier) oder c) eine Vergangenheit hat (Wolfgang Ambros). Der real existierende zeitgenössische Pop bringt Erstaunliches hervor, Fördermittel und Aufmerksamkeit sind aber Mangelware.

Der Amadeus selbst hat die Häme, die sich dieser Tage wieder einmal über ihn ergießt, aber nur bedingt verdient. Er ist nicht die Ursache, sondern nur das Symptom eines gravierenden Problems - der fehlenden Wertschätzung heimischer Popmusik.


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