Kunst Kritik

Faszinieren mit dem Stift in der Hand

Lexikon | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Die Kunsthalle Krems widmet sich dieses Frühjahr dem Medium Zeichnung und hat ein Ausstellungspaket geschnürt, das die Reise wahrhaft lohnt. Im ersten Saal stellt Constantin Luser Mobiles aus Kupferdraht und Wandzeichnungen aus, an denen man sich nicht sattsieht. Der 1976 geborene Künstler verwendet für die Zeichnungen teilweise drei, vier schwarze Fineliner auf einmal und erzeugt so einen flirrenden Eindruck. Die von der Decke hängenden, filigranen Gebilde lassen viele Perspektiven zu und stellen sowohl Figuren wie einen Zeppelin oder eine Landschaft als auch abstrakte Formen dar.

Zum Beispiel greift Luser ein Fragment aus einer Zeichnung von Giacometti auf, die in der hochkarätigen Schau "Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol" hängt. Die gezeigten Papierarbeiten aus 500 Jahren stammen aus der Sammlung Klüser, die ein Münchner Galeristenpaar zusammengetragen hat. Nachdem ihr Augenmerk lange nur auf die moderne Kunst gerichtet hatten, begannen sie in den 1990er-Jahren altmeisterliche Zeichnungen von einer ungewöhnlichen Modernität zu kaufen. So etwa Taddeo Zuccaros "Satyr", der in den leeren Raum gesetzt ist und dessen zeigende Hand sich zu verflüssigen scheint. Formale Offenheit, Experimentierfreude, spontane Gesten und Unfertigkeit: Diese Qualitäten treten in den vibrierenden Liniennetzen der venezianischen Schule ebenso hervor wie in der sogenannten "Klecksografie", dem Gestalten mittels Zufallsprinzip, das Alexander Cozens um 1765 ebenso faszinierte wie später Victor Hugo. Bei der Kunst nach '45 liegen Schwerpunkte auf Joseph Beuys und Blinky Palermo.

Last but not least wird die tolle Filmreihe "Ten drawings for projection" von William Kentridge gezeigt, an der sich die Entwicklung seines Stils seit 1989 nachvollziehen lässt. NS Kunsthalle Krems, bis 22.6.


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