HARTMANN. DAS STÜCK

Aufstieg und Fall eines Intendanten: Matthias Hartmanns Karriere als Tragikomödie in fünf Akten

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Vorspiel vor dem Theater

Wien, Juni 1995. Im Burgtheater regiert Claus Peymann, dem mit der Uraufführung von Peter Turrinis "Schlacht um Wien" gerade wieder ein kleiner Aufreger gelungen ist. Für die letzte Premiere der Saison, Schillers "Räuber", hat Peymann einen aufstrebenden Jungregisseur engagiert: den 32-jährigen Matthias Hartmann. Der ist so euphorisiert, dass er sich nach den Proben mit ein paar Schauspielern in sein Cabrio setzt und um die Ringstraße cruist. Vielleicht hat sich Hartmann damals schon in den Kopf gesetzt, irgendwann selbst die Burg zu übernehmen.

Erster Akt: Der Kaufmann von Osnabrück

Osnabrück, Anfang der 1980er-Jahre. Matthias Hartmann redet auffällig oft über seine Eltern; in Interviews kommt er immer wieder auf sie zu sprechen. Seinen inzwischen verstorbenen Vater, einen Textilfabrikanten, Fair-Trade-Pionier und Mitbegründer des Kinderhilfswerks Terre des Hommes, beschreibt er als autoritären 68er; seine Mutter, eine Waldorflehrerin, als Ente-fahrende


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige