Kommentar Burgtheater

Hartmanns letzte Verteidiger: Theater muss Luxus bleiben

Falter & Meinung | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Wer gestorben ist, kann seine Nachrufe normalerweise nicht mehr lesen. Matthias Hartmann kann. Und die Lektüre muss für den Ex-Burgtheaterdirektor mindestens so hart sein wie der tiefe Fall selbst. Von Mitleid ist da kaum eine Spur. Kritiker freuen sich, dass sie nicht mehr ständig diese angeberischen Hartmanninszenierungen rezensieren müssen; die Burgschauspieler sind erleichtert, dass sie ihren rüpelhaften Chef los sind; Hartmanns Intendantenkollegen lachen sich ins Fäustchen.

Obwohl: Es waren ausgerechnet zwei Kollegen, die in den letzten Tagen ihre Stimme für Hartmann erhoben haben. Frank Castorf hat in mehreren Interviews eine Lanze für die "Maßlosigkeit" von Theater gebrochen. Und in einem Gastkommentar für die Welt schlug Leander Haußmann nun ähnliche Töne an: "Gönnt den Künstlern ihre Gier!", fordert der Regisseur, der in Bochum vor Hartmann Intendant war. Dass sein Verhältnis zu Hartmann ein freundschaftliches ist, kann ausgeschlossen werden.

Man darf das nicht missverstehen: Haußmann und Castorf verteidigen nicht Hartmann, sondern das System (und damit sich selbst). Ein System, in dem der Intendant eben kein "Geschäftsführer" ist, sondern ein Künstler, der nicht nur Stücke, sondern ein ganzes Theater inszeniert. Und die Lust, mit der sich Medien, Politik und Theaterwelt auf den Burgtheaterskandal stürzen, macht sie misstrauisch. Soll mit Hartmann auch ein ganzes Prinzip demontiert werden?

Wahr daran ist: Im Prinzip ist Theater ein Luxus, den sich eine Gesellschaft leisten wollen muss und soll. Werden wir jemals wieder ein Bühnenbild bestaunen können, ohne uns zu fragen, was das wieder gekostet hat? Schön wär's.


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