Die Bekenntnisse eines Sekundärtugendwächters

Der deutsche Diskursaußenseiter Thilo Sarrazin schrieb ein Buch über den Tugendterror. Leicht hat er es sich dabei nicht gemacht

Politik | Rezension: Matthias Dusini | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Schaudern reagiert die halbe Welt auf das Walten deutscher Tugenden. Bei den von Sparmaßnahmen gebeutelten Griechen etwa löst der Gedanke an die Berliner Pünktlichkeit Kastrationsängste aus. Ausgerechnet aus dem Land der Steuerfahnder und Triple-A-Fetischisten kommt nun ein Buch, das ein ganz anderes Bild zeichnet.

Der ehemalige sozialdemokratische Spitzenbeamte und Banker Thilo Sarrazin verzagt nicht am zackigen, sondern am kuscheligen Deutschland, an der Nation der Gutmenschen. Die feindlichen Truppen greifen in einer Zangenbewegung an. Sogenannte Gleichheitsapostel würden die Sekundärtugenden Ausdauer, Genauigkeit und Frustrationstoleranz bekämpfen und durch Tugenden ersetzen, die "auf Zustände gerichtet" seien: Glaube, Liebe, Mitleid und Herzensgüte. "Das sind Gefühle, wo nichts passiert", klagt Sarrazin wie der strenge Vater über die nachgiebige Mutter.

So unterschiedliche Sachverhalte wie progressive Steuersysteme, die Genderforschung


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