Film Neu im Kino

Jonasson-Verfilmung: 100 Jahre im Schnelldurchlauf

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Allan Karlsson ist nicht mehr der Jüngste, als er beschließt, noch etwas von der Welt zu sehen, und sich an seinem 100. Geburtstag aus dem Altersheim davonstiehlt. Kurze Zeit später ist er nicht nur Besitzer eines Koffers voll Geld, sondern in Gesellschaft allerlei diesseits und jenseits des Gesetzes angesiedelter neuer Freunde und Feinde.

Mit "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" verfilmte Felix Herngren den gleichnamigen Roman von Jonas Jonasson, der mehrere Erzählebenen miteinander verknüpft: Allans Flucht wird von Rückblicken auf sein Leben unterbrochen, das mit einer erstaunlichen Anzahl weltpolitisch bedeutender Ereignisse in Berührung kam -von der Fertigstellung der amerikanischen Atombombe bis zu Stalins Tod. Der trinkfreudige Sprengstoffexperte Allan macht sich darüber getreulich seines Lebensmottos "Es ist, wie es ist, und wie's kommt, so kommt's" jedoch keine Gedanken.

Wie jede Buchverfilmung ist auch diese eine Herausforderung: Einerseits trifft der Film die lakonisch-schwarzhumorige Grundstimmung der Vorlage und überzeugt mit Hauptdarsteller Robert Gustafsson, der in der Maske künstlich altert. Andererseits führt die Straffung der Ereignisse dazu, dass die im Buch liebevoll ausgebreiteten Abenteuer wie im Schnelldurchlauf vorüberziehen und wichtige Figuren auf der Strecke bleiben. Der unvergessliche Herbert Einstein gerät so beispielsweise zu einer bloßen Randnotiz.

Mehr Zeit nimmt Herngren sich im Erzählstrang der Gegenwart, dem er mit inhaltlichen Abweichungen einen eigenen Stempel aufdrückt. Unterm Strich hat er eine ambitionierte Adaption geschaffen, die an Charme rettet, was aus dem Detailgeflecht des Romans in die abgespeckte Filmversion hinüberzuretten ist.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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