Menschen

Voll vermasselt

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Zum Glück gibt es von Amy Winehouse keine Hologramme! Das Jüdische Museum widmet dem 2011 27-jährig abgetretenen britischen Popstar in der Dependance am Judenplatz jetzt eine Ausstellung: "Ein Familienporträt" zeigt Winehouse, Spross einer in den 1890er-Jahren aus Weißrussland nach England eingewanderten Familie, als das jüdische Mädchen, das sie "letzten Endes" war, wie Winehouse angeblich von sich selbst sagte. Elizabeth Selby vom Jewish Museum London und ihre Wiener Kollegin Astrid Peterle haben die Ausstellung kuratiert. Vizebürgermeisterin Renate Brauner brachte es bei der Vernissage auf den Punkt: Man wolle junge Menschen für das Jüdische Museum und seine Ausstellungen begeistern. Fragt sich nur: Kennen junge Menschen Amy noch?

Kennen junge Menschen noch Claudia Cardinale? Wenn sie wissen, dass der Film "Spiel mir das Lied vom Tod" im Original "C'era una volta il West" heißt, vielleicht. Die Italo-Film-Diva kann eine erstaunliche Filmografie vorweisen, da ist wahrscheinlich das Röllchen, das die Cardinale nun im Weltkriegsliebesdrama "Der stille Berg" von Ernst Gossner spielt, nur eine Anekdote. Trotzdem kam die Schauspielerin zur Filmpremiere ins Urania-Kino. Und möglicherweise bleibt der Dame dieser Wien-Aufenthalt in besserer Erinnerung als jener vor Jahren, bei dem sie in einem Einkaufszentrum Autogramme schreiben und den Opernball besuchen musste.

Und da Frau Cardinale nun schon einmal in Wien war, besuchte sie auch gleich noch den "Filmball", wo sie neben Daryl Hannah Stargast war. Im Licht der beiden sonnte sich die heimische Prominenz aus, äh, Film und Fernsehserie: Waltraut Haas zum Beispiel oder die Wussow-Fortells. Der musikalische Stargast kam per Zeitmaschine direkt aus den 1950er-Jahren auf die Showbühne im Rathaus-Festsaal: Peter Kraus. Hat hier tatsächlich irgendjemand etwas von Hollywood gesagt? Oder "etwas für junge Leute"? Und hätte nicht eigentlich Batman Val Kilmer kommen sollen?

Es war wieder einmal eine richtige Tex-Woche. Nicht, dass Falter-Witzezeichner Tex Rubinowitz sonst nur Mittagsschläfchen machen würde. Aber letzte Woche: erst Vorlese-Bingo im Phil mit Falter-Kulturchef Klaus Nüchtern. Und dann am Donnerstag auch noch Ausstellungseröffnung im Samstag-Shop von Christian Moser und Designer Peter Holzinger in der Margaretenstraße 46. Nein, Rubinowitz ist nicht unter die Modefritzen gegangen (obwohl: eine eigene Tex-Kollektion, wieso eigentlich nicht?). Er zeigte bei Samstag unter dem Motto "Du hast es vermasselt" gerahmte Witze und legte auch noch seine "raren Doo-Wop-Singles" auf. Doo-What? Egal. Die Ausstellung läuft noch bis Ende März.

Noch eine Auszeichnung gab es für einen Wiener Kulturmanager: Für seine besonderen Verdienste zur Verbreitung französischer Künstlerinnen und Künstler bekam Tanzquartier-Direktor Walter Heun vom französischen Consul Général Emmanuel Cohet den Orden "Chevalier des Arts et des Lettres" verliehen - in München und gemeinsam mit Annette Lallemand und Markus Wörl. Müssen wir Heun jetzt mit Chevalier ansprechen? Très chic!


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